Die Große Koalition plant die Einführung der BaFin-Überwachung für 34f-Vermittler und winkt damit zum einen die Vorschläge der SPD-Fraktion, zum anderen eine langjährige Forderung der Bankenlobby durch. Vorausgesetzt diese Regelung träte in Kraft, was würde sie für die über 37.000 34f-Vermittler in Deutschland bedeuten? Wir haben mit Martin Eberhard, Vorstand der FondsKonzept AG, darüber gesprochen.

Würden Sie als Fondskonzept AG eine solche Regelung in Deutschland begrüßen?

Martin Eberhard: Wir betrachten die Pläne aus dem Koalitionsvertrag, Berater nach § 34f Gewerbeordnung unter eine BaFin-Aufsicht zu stellen, kritisch. Es ist problematisch, Vermittler nach dem erst 2013 in Kraft getretenen Gesetz zur Novellierung des Finanzanlagenvermittlerrechts erneut dem Regulierungsdruck auszusetzen und mit einem Berufsverbot existenziell zu gefährden. Die Bedeutung der unabhängigen Finanzberatung für die Bürger in einer Zeit, in der sich Banken aus der Fläche zurückziehen, sollte von der Politik nicht unterschätzt werden.

Wahr ist allerdings auch, dass die Unterschiede bei den Dokumentations- und Beratungspflichten zwischen den dem Gewerberecht unterstellten Vermittlern im Vergleich zu den durch das Kreditwesengesetz beaufsichtigten Finanzinstituten nur noch gering sind. So betrachtet bedeutet der Passus im Vertrag nur einen Wechsel in der Aufsicht von den Gewerbeämtern bzw. Handelskammern zur BaFin – mit bislang unklaren Konsequenten auf die Arbeitserlaubnis der freien Berater.

Wie viel Prozent der Vermittler in Deutschland wären denn überhaupt in der Lage, sich eine eigene KWG-Lizenz zuzulegen, und wie viel Aufwand würde das – finanziell und organisatorisch – für die einzelnen Kollegen im Markt nach sich ziehen? 

Martin Eberhard: Dies ist schwer abschätzbar, weil es durch die fehlende Publizitätspflicht der Jahresabschlüsse keine offiziellen Zahlen zu den Einkommensverhältnissen und Rücklagen der Makler gibt. Die Beantragung einer KWG-Lizenz und die sich daraus ergebenden finanziellen Aufwendungen und administrativen Pflichten sind aber für einen Großteil der Makler kaum zu stemmen. Dieser Weg ist aus unserer Sicht nur für große Einheiten möglich, wobei die systemseitige Anbindung an einen externen Dienstleister schon heute notwendig ist, um die Administration mit überschaubaren IT-Ausgaben zu bewältigen.

Eine gute Option kann daher der Gang unter ein Haftungsdach sein. Wir sind mit dem konzerneigenen Haftungsdach FinanzAdmin Wertpapierdienstleistungen auf ein solches Szenario vorbereitet und können in kurzer Zeit und ohne größere technische Umstellungen unseren Maklern eine solche Anbindung bieten.

Marktexperten erwarten, dass von einer solchen Gesetzesnovelle vor allem die großen Vertriebe profitieren würden. Für den Einzelmakler indes erwarten sie größere Schwierigkeiten. Zugleich ziehen sich Banken aus der Fläche zurück. Würde eine solche gesetzliche Regelung nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass der Kunde noch weniger qualifizierte Beratung in der Region in Anspruch nehmen kann, als es heute schon der Fall ist? 

Martin Eberhard: Das sehen wir genauso. Daher sollte sich der Gesetzgeber vor einer Abschaffung der Sonderregelung für § 34f-Vermittler im KWG erst einmal ein Bild vom Status quo der Finanzberatung in Deutschland machen. Qualifizierte Finanzberatung ist unter den neuen regulativen Rahmenbedingungen die Dienstleistung eines Experten, vergleichbar mit derjenigen eines Rechtsanwaltes oder Steuerberaters. All diese Berufsgruppen müssen in der Lage sein, ohne übergroße finanzielle Eintrittsbarrieren ihrem Beruf nachgehen zu können.

Mal aus der Sicht der BaFin: Wäre die Behörde organisatorisch überhaupt in der Lage, eine so große Anzahl neuer Unternehmen qualifiziert zu überwachen? Oder anders gefragt: Wie realistisch ist denn die tatsächliche Umsetzung in den nächsten Jahren?

Martin Eberhard: Im Koalitionsvertrag steht die schrittweise Übertragung  der Aufsicht an die BaFin. Wir haben hier eine vergleichbare Situation wie 2013, als den Gewerbeämtern die Lizenzierung von Finanzvermittlern übertragen wurden. Ein solcher Prozess der Umstellung braucht Zeit, die mit einer Übergangsphase gewonnen werden kann.

Als Pool mit einer hohen Spezialisierung im Investmentbereich stellen Sie ihren Partnern schon heute umfangreiche Unterstützungsleistungen zur Verfügung. Wie bereitet sich die FondsKonzept AG auf die neue Marktentwicklung vor? 

Martin Eberhard: Wir haben uns als einer der Vorreiter frühzeitig auf diese Entwicklung eingestellt und unser administratives System Maklerservicecenter bereits heute an sämtliche Vorgaben nach MiFid II angepasst, obwohl es hier noch kein Transfergesetz für den § 34f-Makler gibt. Ein weiteres Beispiel ist die MiFid II-konforme Einführung von Servicegebühren, für die wir die Voraussetzungen zur sofortigen Umsetzung geschaffen haben.

Was raten Sie Ihren Partnern in der aktuellen Situation? Wie können 34f-Vermittler sich nun aufstellen und vorbereiten?

Martin Eberhard: Wir raten Finanzmaklern, ihr Unternehmen fit für die Rahmenbedingungen der Digitalisierung und der bereits gültigen oder kommenden Gesetze MiFID II, IDD und europäische Datenschutz-Grundverordnung zu machen und sich eine leistungsfähige Infrastruktur zuzulegen. Wer professionell agiert und sein Unternehmen gut aufstellt, wird auch neue Szenarien bewältigen können.

Wir werden die Lage genau beobachten und dabei den Schulterschluss mit der Branche und dem AfW-Verband suchen. Die unabhängige Finanzberatung hat eine große gesellschaftliche Bedeutung, und das gilt es auch bei den Entscheidungsträgern in der Politik herauszustellen.

Herr Eberhard, vielen Dank für Ihre Einschätzung!

Titelbild: © Martin Eberhard

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