Ein 18-jähriger Bitcoin Millionär und Zeitreisende sind wahrhaftig keine verlässliche Quelle für Wirtschaftsprognosen. Oder Finanztipps. Doch die beiden jungen Männer behaupten unisono: Bitcoin und Co. werden sich weiter etablieren.
Und recht haben sie. Teilweise. So beglichen bereits einzelne Länder ihre Geschäfte mit Kryptogeld. Weitere Länder und Institutionen schließen sich an. Lösen virtuelle Moneten bald die Fiat-Währungen ab?

The American Dream

Der 18-jährige Erik Finman. Die Schule nicht angeschlossen, nicht studiert und arbeitslos. Ein ganz normaler Jugendlicher von heute. Allerdings: Der junge Mann ist Millionär.
Denn der Jungunternehmer aus Idaho war schlau – oder naiv genug – 2011 bereits in eine Idee zu investieren, die absurd klang. In digitale Währung. Genauer: In Bitcoins. Und der Hype kam. Und der Hype wurde gigantisch. Heute besitzt Erik laut eigenen Angaben 403 Bitcoins. Ihr Gesamtwert: 1,5 Millionen Euro.

Seine Prognose: Bitcoin – und andere Kryptowährungen – werden sich langfristig durchsetzen können. Für ihn steht fest: Bitcoin ist nicht nur angesagt, sondern die beste Geldanlage, die es momentan gibt. Auch für viele hierzulande? Denn laut dem Deutschen Institut für Altersvorsorge verfügen rund ein Viertel der Deutschen über keinerlei Rücklagen. Den eigenen Sparstrumpf zukünftig also mit digitalen Kryptowährungen vollstopfen?

Ja, sagt auch Jeremy Gardner. Der 25-jährige Uni-Abbrecher war auf der Rückreise von einer Safari in Südafrika. Da bekam er jene schicksalshafte Nachricht, die ihn instant zum Selfmade-Millionär katapultierte.

“Ich habe gesehen, dass der Bitcoin-Kurs einen Wert von 2.500 US-Dollar (2.126 Euro) erreicht hat – der Wert aller Kryptoanlagen ist in die Höhe geschossen. Und plötzlich hat sich mein Vermögenswert innerhalb von fünf Tagen verdoppelt. Das war verrückt.” verriet Garner in einem Interview beim Business Insider.

Noah’s arc

Die britische The SunFinancial Express, Mail Online sowie die Express grölen lauthals die Sensation der vergangenen Tage. Denn der unscheinbare junge Mann im roten – Verzeihung, bordeauxfarbenen Hoodie – ist nicht irgendwer. Er ist Zeitreisender. Mit Videobeweis.

So behauptet Noah, dass im Jahre 2030 (aus dem er selber her gereist sei):

  • Künstliche Intelligenz (KI) und Roboter global weit verbreitet sind.
  • Smart Home und Technologie, die ein autonomes Haus ermöglichen, etabliert sind.
  • Bitcoin als Zahlungswährung weitesgehend akzeptiert ist.
  • Die Menschheit den Mars erreicht (2028). Und im selben Jahr das Zeitreisen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Und einen Lügentest hat Noah immerhin bereits bestanden. Ich bin schon ganz bespannt darauf, wie viele Bitcoins ich für mein HAL 9000-Haus bezahlen werde.

Der Glückspilz und der Freak. Und die Realität?

Aber Butter bei die Fische. Das Image sogenannter Kryptowährungen momentan: Varieté Theater. Es ist bunt und laut. Viel Bewegung, keiner kennt sich aus, alle feiern durcheinander. Doch neben den einzelnen Pechvögeln, Zeitreisenden und Schreckensmeldungen über Hacker-Attacken. Allmählich springen Big-Player auf den Zug, auf die Rakete namens Kryptowährungen auf.

So hat Saudi-Arabiens Zentralbank erst kürzlich damit begonnen mit Ripple zu kooperieren. Ein derartiges Pilotprogramm ist das erste seiner Art. Und das weltweit. Das Ziel: Die Banken können Gelder kostengünstiger, schneller und transparenter in andere Länder transferieren. Auch das große Geldtransfer-Haus Western Union setzt auf die Transaktiongeschwindigkeit von Ripple. Nach dem bereits monatelang spekuliert wurde, bestätigt Vorstandschef Hikmet Ersek die Gerüchte. Das Unternehmen wird sowohl die Blockchain-Technologie prüfen, als auch erste Transaktionen mit Ripple ausführen.

Kein Wunder, dass die Kryptowährung derart durch die Decke geht. Nicht nur, dass Ripple mit 36,02 Prozent laut Coinmarketcap den größten Wertezuwachs im letzten Jahr erlebte. Nein. Auch namhafte Größen wie Bill Gates setzt auf die Ripple-Technologie.

Fazit: Der Zeitreisende hat recht

Bitcoin, Ethereum und Co. werden nicht wie durch Zauberhand alle Fiat-Währungen über Nacht ablösen. Auch deswegen, weil es immer noch ein eher spekulativer Prozess der Geldanlage ist. Und auch, wenn es zunächst unseriös wirkt. Doch es ist offensichtlich: weder Edelmetalle, noch vorsintflutliche IT-Systeme großer Zentralbanken. Weder Papierscheine noch Kupfermünze sind das Geld der Zukunft. Wie plump und selbstzufrieden es klingen mag. Die digitale Zukunft  gehört den Kryptowährungen.

Bild: ©grandfailure/Fotolia

Nikita Mitryaev

Nikita Mitryaev ist Autor in der NewFinance Redaktion. Der gebürtige Moskauer studierte Digital Film & Animation an der Middlesex University in London.