Die Umwälzungen in der Bankwirtschaft sind immens und sorgen vielfach für Frust und Motivationsverlust. Viele Bankkaufleute in den Instituten hätten bereits “innerlich gekündigt”, berichtet Christian Schwalb, Geschäftsführer der BSC GmbH im Interview.

Dr. Rainer Demski: Nochmal zurück zur Situation am Arbeitsplatz in der Bank: Sie hatten im Vorfeld zu unserem Interview auch von „innerer Kündigung“ vieler Bankmitarbeiter gesprochen. Was hat es damit auf sich?

Christian Schwalb: Das erleben wir in der Tat sehr häufig, wenn sich zum Beispiel neue Kollegen aus diesem Umfeld bei uns bewerben, oder wenn wir mit ehemaligen Kollegen sprechen, die noch in der Bank arbeiten. Innere Kündigung bedeutet dabei oft das Gefühl der Ohnmacht, also nichts ändern zu können im aktuellen Arbeitsumfeld.

Viele Kollegen finden sich dann damit ab. Und das schlägt auf die Motivation. Diese Situation ist vielfach ausweglos. Stellen Sie sich vor, Sie gehen jeden Tag zur Arbeit in dem Wissen: Eigentlich mache ich meinen Job gar nicht mehr gern, und es hält mich dort nur noch die vermeintliche Sicherheit einer monatlichen Gehaltszahlung. Mich würde das komplett entmutigen.

Dr. Rainer Demski: Wenn es, wie Sie sagen, vielen Bankmitarbeitern genau so geht, warum wählen dann nicht deutlich mehr von ihnen eine berufliche Alternative? Gibt es bestimmte Ängste, die sie von einem solchen Schritt abhalten? Warum rennen Ihnen die Leute nicht „die Bude ein“?

Christian Schwalb: (Lacht…) Diese Frage würden wir auch sehr gern beantworten können. Aber es gibt natürlich Erfahrungswerte. Als ich mich nach meiner Banklaufbahn selbständig gemacht habe war ich 23 Jahre alt. Damals haben viele Kollegen gesagt: Um Gottes willen, wie kannst Du nur aus so einer sicheren Position heraus so einen Schritt wagen?

Für mich war die Situation aber die: Ich wollte mit meinen Vorgesetzten damals meine weitere Laufbahn planen, wollte mir Ziele setzen und diese auch erreichen. Und ich musste feststellen, dass mir das in der Banktätigkeit nicht möglich war, da oft externe Einflüsse im Weg standen und das hierarchische System mit jedem Karriereschritt schwerer zu überwinden war. In so ein System wollte ich keine Energie mehr investieren und habe mich für alternative Karrierewege interessiert und mich schließlich für die Selbständigkeit entschieden. Für viele meiner Kollegen aber war (und ist) so ein Schritt jedoch mit der Angst behaftet, alles außerhalb der Bank sei in gewisser Weise unseriös, unsicher.

Titelbild: © alphaspirit/fotolia.com

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